Nach dem jetzigen Kenntnisstand gibt es keinen Anhaltspunkt für ein erhöhtes Risiko bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen.

Insgesamt handelt es sich bei dem Auftreten von Sinusvenethrombosen (Thrombose einer Hirnvene) um eine sehr seltene Nebenwirkung. Der für diese Thrombosebildung verantwortliche Mechanismus unterscheidet sich grundlegend von dem Mechanismus anderer Thrombosen z.B. bei tiefen Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien. Es werden Autoantikörper gegen die eigenen Blutplättchen (Thrombozyten) gebildet, die dadurch aktiviert werden und ein Gerinnsel bilden. Dies ist ein immunologischer Vorgang ohne Zusammenhang zu klassischen Risikofaktoren für eine Thrombose wie Übergewicht, Immobilisation, eine genetische Thromboseneigung oder die Einnahme der „Pille“. Überwiegend betroffen sind aber Frauen in einem Alter zwischen 25 und 55 Jahren.

Anhand dieser Erkenntnisse besteht laut der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung für Patienten mit einer Thrombose in der Vorgeschichte oder einer bekannten Thrombophilie (Thromboseneigung) kein erhöhtes Risiko für diese Komplikation nach Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff (siehe auch GTH-online.org). Trotz fehlender spezieller Daten bezüglich Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist gemäß der DGRh ebenfalls nicht davon auszugehen, dass bei Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen oder mit einem Antiphospholipidsyndrom ein erhöhtes Risiko für Sinusvenenthrombosen besteht.

Dementsprechend spricht sich die DGRH in einer Stellungnahme vom 06.04.2021 weiterhin deutlich für eine Verwendung des AstraZeneca-Impfstoffes bei Rheumapatienten ab 60 Jahren aus (siehe DGRh Stellungnahme Impfung mit AstraZeneca-Impfstoff, aktualisiert am 06.04.2021). Da Medikamente wie ASS, Heparin oder andere Blutverdünner keinen schützenden Effekt gegenüber dem Auftreten einer Sinusvenenthrombose haben, wird eindringlich von der eigenständigen prophylaktischen Einnahme solcher Medikamente vor einer AstraZeneca-Impfung abgeraten.

Am 30.03.21 hat sich die STIKO am RKI in einer Pressemitteilung dafür ausgesprochen, den AstraZeneca-Impfstoff nur noch für Personen im Alter ab 60 Jahren zu verwenden (siehe STIKO Empfehlungen AstraZeneca-Impfstoff 30.03.2021). Wie diese Empfehlung insbesondere auch hinsichtlich der Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis für jüngere Personen nach einer ersten Dosis des AstraZeneca-Impfstoffes in Hamburg umgesetzt wird, ist noch nicht bekannt. Bezüglich der Zweitimpfung wird die STIKO bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben.