Aktuelles zum Corona-Virus „COVID-19“
Stand vom 09.06.2022

Liebe Patient*innen,

verständlicherweise wenden sich viele Patient*innen mit Fragen zum Coronavirus an uns. Aufgrund des hohen Aufkommens an Anfragen an uns, sind unsere Ärzte und Ärztinnen leider nicht in der Lage, diese alle persönlich zu beantworten. Wir hoffen, dass Ihnen mit den unten aufgeführten Informationen bei vielen Fragen schon geholfen ist. Viele Informationen sind auch in den Stellungnahmen unserer Fachgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) enthalten.

Häufig gestellte Fragen

Besuch unserer Praxis

Trotz der Corona-Pandemie sollten die rheumatologischen Kontrolltermine sowie die notwendigen Laborkontrollen bei uns fortgesetzt werden. Wir sind insgesamt bemüht, die Kontaktzeit zu anderen Personen möglichst gering zu halten. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie zu Ihrem Termin pünktlich und vorbereitet erscheinen.

Wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft, sollten Sie bitte die Praxis NICHT ohne vorherige telefonische Rücksprache betreten:

  • Hatten Sie in den letzten 5-7 Tagen Kontakt mit einem sicher am Coronavirus Erkrankten?
  • Besteht bei Ihnen aktuell eine SARS-CoV-2-Infektion oder war bei Ihnen ein Abstrich positiv für das Coronavirus?
  • Leiden Sie an akuten Atemwegsbeschwerden (Luftnot, Husten…) oder haben Sie weitere Zeichen einer Infektion (Fieber, Gliederschmerzen…)?

Im Falle der oben genannten Symptome empfehlen wir die 116117 anzurufen. Bei Luftnot rufen Sie bitte die 112 (Rettungsdienst) an.

Schutzmaßnahmen in der Praxis

Gemäß der Hamburgischen SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung des Hamburger Senates (gültig ab 26. Mai 2022) gilt in Arztpraxen weiterhin eine allgemeine Maskenpflicht. Patient*innen müssen eine FFP 2-Maske tragen. Für Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Fachangestellte ist das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes (OP-Maske) verpflichtend. Die Mitarbeiter*innen unseres MVZ sollten nur bei längeren Tätigkeiten nahe am Patienten wie einer Blutentnahme eine FFP2-Maske tragen. Bei der Tätigkeit an der Rezeption z.B. ist dies nicht zwingend erforderlich.

Die Verordnung des Senates ist für uns rechtlich bindend. Gemäß § 25 dieser Verordnung, begeht man eine Ordnungswidrigkeit, wenn man die Pflicht zum Tragen der vorgeschriebenen Maske nicht befolgt, welche mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Wir bitten von Diskussionen über die belegte Sinnhaftigkeit des Tragens von FFP2-Masken mit unseren Mitarbeiter*innen abzusehen.

Es gibt nur einige wenige Ausnahmen von der grundsätzlich für jedermann geltenden Maskenpflicht. Personen, die glaubhaft machen können, dass ihnen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aufgrund einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist, sind von der Tragepflicht befreit. Das bedeutet, dass das Tragen eines MNS mit dem Risiko einer objektivierbaren erheblichen Verschlechterung der Gesundheit verbunden sein muss. Dies ist nicht automatisch schon beim Vorliegen einer kardialen oder pulmonalen Grunderkrankung der Fall sein. Gemäß der Berufsordnung der Hamburger Ärzte und Ärztinnen haben Ärzt*innen bei der Ausstellung ärztlicher Bescheinigungen mit Sorgfalt zu verfahren und können sich andernfalls (berufsrechtlich) strafbar machen.

Eine entsprechende ärztliche Bescheinigung zur Befreiung von der Maskenpflicht müssen Patient*innen auf Verlangen vorlegen. Aus der ärztlichen Bescheinigung muss sich nachvollziehbar ergeben, auf welcher Grundlage die entsprechende Diagnose gestellt wurde und wie sich die Krankheit im konkreten Fall darstellt. Ein Bruch der ärztlichen Schweigepflicht liegt hierbei nicht vor, da Patient*innen alleine darüber entscheiden, ob das Attest vorlegt wird.

Des Weiteren werden Sicherheitsabstände werden so gut es geht eingehalten und unsere Praxisräume auch bei kalten Temperaturen regelmäßig gelüftet. Bitte berücksichtigen Sie letzteres bei der Auswahl Ihrer Garderobe. Begleitpersonen sollen bitte nur die Praxisräume betreten, wenn dies aus medizinischen oder sprachlichen Gründen notwendig ist. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir Ihre Angehörigen in anderen Fällen bitten, außerhalb der Praxisräume zu warten. Dies geschieht auch zu Ihrem Schutz.

Rheuma-Therapie in Zeiten der Pandemie

Anhand der seit Pandemiebeginn gewonnenen Erfahrungen erscheint eine entzündlich-rheumatische Erkrankung (ERE) an sich nicht als Risikofaktor für eine COVID-19-Infektion oder für einen schweren COVID-19-Verlauf. Die meisten Rheumamedikamente sind auch im Falle einer Infektion sicher einsetzbar. Einige Wirkstoffe scheinen sogar vor schweren Verläufen der Erkrankung zu schützen. Anhand Daten aus dem COVID-19-Register der DGRh zeigte sich, dass die häufig eingesetzten TNF-Blocker (Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab Infliximab) eher mit einem milderen Verlauf der Infektion assoziiert sind. Eine medikamentös unzureichend kontrollierte, in einem aktiven Schub befindliche Rheumaerkrankung dagegen gilt durchaus als Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf.

Die Medikation sollte also unverändert fortgesetzt werden und Patient*innen sollten keinesfalls Medikamente selbständig absetzen.

Was sollte man als Rheumapatient*in im Fall einer COVID-19-Infektion bzw. im Falle eines positiven PCR-Testes tun?

Bei mittels PCR positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Patient*innen ohne Infektzeichen (auch nach Kontakt zu SARS-CoV-2 positiven Personen) sollte ein Pausieren bzw. Hinauszögern einer Biologika-Gabe bzw. der Einnahme eines JAK-Hemmers (Präparate Xeljanz, Olumiant, Rinvoq und Jyseleca) für die Dauer der mittleren Inkubationszeit einer SARS-CoV-2-Infektion (z.B. 5 – 6 Tage) erwogen werden. Prinzipiell sollten andere Basistherapeutika inklusive Prednisolon bei fehlenden Infektzeichen nicht abgesetzt werden.

Bei Patient*innen mit gesicherter, aktiver COVID-19 sollte die Basistherapie pausiert und Leflunomid eventuell sogar ausgewaschen werden. Eine für die Behandlung der rheumatologischen Erkrankung eingesetzte Prednisolon-Dauertherapie ≤ 10 mg/d sollte in gleicher Dosis fortgesetzt werden.

In jedem Fall sollte eine Pause der Medikamente mit dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin besprochen werden (siehe auch die Handlungsempfehlung der DGRh).

Medikamentöse Maßnahmen im Fall einer COVID-19-Infektion bei Rheumapatient*innen

Für Patient*innen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19 aufgrund einer schweren Immundefizienz haben sich aktuell neue Therapieoptionen ergeben. Es ist hierbei ausdrücklich anzumerken, dass Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen im Allgemeinen NICHT zur dieser Gruppe schwer immundefizienter Personen zählen (weitere Ausführungen siehe unten).

Eine passive Immunisierung oder antivirale Therapie kann in diesen Sonderfällen einer schweren Immundefizienz in der Frühphase einer nachgewiesenen, symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion erwogen werden und sollte innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn begonnen werden.

Therapieoptionenen sind antivirale Medikamente wie Paxlovid® und Lagevrio®, die die Vermehrung des Virus hemmen. Möglich sind hierbei natürlichen Nebewirkungen (Geschmacksstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Durchfälle und Kopfschmerzen) sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (z.B. Amiodaron, Flecainid, Simvastatin, Lovastatin, Clopidogrel, Gerinnungshemmer wie Rivaroxaban, Endoxaban, Apixaban und Dabigatran, Bosentan, Sildenafil, Colchicin, Piroxicam, Phenytoin, Carbamazepin, Diazepam, Quetiapin, Clozapin und Johanneskraut). Paxlovid® ist zudem bei einer Einschränkung der Nierenfunktion und Lagevrio® im Falle einer Schwangerschaft kontraindiziert.

Zudem ist eine sogenannte passive Immunisierung durch die Gabe monoklonaler Antikörper gerichtet gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 möglich (Eine Impfung stellt im Gegensatz eine aktive Immunsierung dar, da dass Immunsystem aktiv wird). Zu beachten ist jedoch, dass die Mehrzahl der Präparate, welche eine gute Wirksamkeit bei früheren SARS-CoV-2-Varianten zeigten, gemäß in vitro-Analysen die Omikron-Varianten nicht in gleichem Maße neutralisieren.

Der monoklonale Antikörper Xevudy® ist aktuell der einzige in Deutschland verfügbare Antikörper, der in vitro auch die Omikron-Variante BA.1 neutralisiert. Nachdem sich die Hinweise häufen, dass Xevudy® gegen die inzwischen vorherrschende Variante BA.2 nicht ausreichend wirksam ist, kommt Xevudy® nur noch infrage, wenn ein sensibler Subtyp nachgewiesen werden konnte.

Möglich ist auch eine Präexpositionsprophylaxe für Patienten mit unzureichendem Impfansprechen bei schwerer Immundefizienz mit der Antikörperkombination Tixagevimab/Cilgavimab (Evusheld®). Die Präexpositionsprophylaxe ist kein Ersatz für die Impfung, sondern für eine fehlende Impfantwort aufgrund von Immundefekten oder einer schweren immunsuppressiven Therapie. Eine Gabe bei Schwangeren und Stillenden wird auf Grund mangelnder Daten nicht empfohlen.

Insgesamt werden diese Medikamente und monoklonalen Antikörper aufgrund des Nebenwirkungs- und Interaktionspotentiales sowie der Erfahrung, dass die meisten Patient*innen mit entzündlich-rheumatische Erkrankungen alleinig aufgrund dieser Erkrankung nicht häufiger und schwerer an COVID-19 erkranken als die altersgleiche Allgemeinbevölkerung mit größter Zurückhaltung eingesetzt. Eine Indikation besteht sicherlich nur für einzelne Hochrisikopatienten und muss und sollte nicht standardmäßig bei allen Patient*innen mit einer SARS-CoV2-Infektion und Rheuma eingesetzt werden.

Impfungen und Impfstoffe

Zum jetzigen Zeitpunkt (08.06.22) sind in Deutschland durch die EMA fünf Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 Virus zugelassen:

  • die mRNA-Vakzine Comirnaty (Firma BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Firma Moderna Moderna)
  • die Vektor-Impfstoffe Vaxzevria (Firma Astra Zeneca) und JCOVDEN (vormals COVID-19 Vaccine Firma Janssen/Johnson & Johnson). Der Impfstoff Vaxzevria ist in Deutschland seit dem 01.12.2021 nicht mehr verfügbar.
  • der proteinbasierte Impfstoff Nuvaxovid (Firma Novavax)

Bei diesen Impfstoffen handelt es sich um Totimpfstoffe, so dass eine Impfung auch bei entzündlich-rheumatische Erkrankungen unter immunsuppressiver Therapie möglich ist.
Die Vektor-Impfstoffe basieren auf nicht-vermehrungsfähigen Viren. Die mRNA und die in den Vektoren befindliche DNA integrieren sich nicht in das menschliche Genom und es werden keinerlei Substanzen verabreicht, aus denen der geimpfte Organismus komplette oder infektiöse Viruspartikel zusammensetzen könnte. Die Vakzine führen nur zur vorübergehenden Produktion von Virusproteinen, gegen die das Immunsystem Antikörper produzieren kann.
Beim proteinbasierten Impfstoff Nuvaxovid wird direkt mit in Zellkulturen gezüchteten Bestandteilen der Hülle des Virusproteins geimpft. Um die Immunreaktion zu verstärken, enthält der Proteinimpfstoff zudem ein sogenanntes Adjuvans (Wirkverstärker).

Impfschema ab dem 18. Lebensjahr
Grundimmunisierung 1. Auffrischung
1. Impfstoffdosis Impfabstand 2. Impfstoffdosis Abstand zur 2. Impfung 3. Impfstoffdosis (sog. Booster)
18 – 29-jährige
Comirnaty 3-6 Wochen Comirnaty ≥ 3 Monate Comirnaty
Nuvavoxid ≥ 3 Wochen Nuvavoxid ≥ 3 Monate Comirnaty
30 – 59-jährige
Comirnaty 3-6 Wochen Comirnaty ≥ 3 Monate Comirnaty
Spikevax 4-6 Wochen Spikevax ≥ 3 Monate Spikevax
Nuvavoxid ≥ 3 Wochen Nuvavoxid ≥ 3 Monate Comirnaty oder Spikevax
≥ 60-jährige
Comirnaty 3-6 Wochen Comirnaty ≥ 3 Monate Comirnaty
Spikevax 4-6 Wochen Spikevax ≥ 3 Monate Spikevax
Nuvavoxid ≥ 3 Wochen Nuvavoxid ≥ 3 Monate Comirnaty oder Spikevax
Vaxzevria ≥ 4 Wochen Comirnaty oder Spikevax ≥ 3 Monate Comirnaty oder Spikevax
JCOVDEN ≥ 4 Wochen Comirnaty oder Spikevax ≥ 3 Monate Comirnaty oder Spikevax

Sollte bei der Grundimmunsisierung der empfohlene maximale Abstand zwischen der 1. und 2. Impfstoffdosis überschritten worden sein, kann die Impfserie dennoch fortgesetzt und muss nicht neu begonnen werden. Die STIKO betrachtet in der Altersgruppe ≥30 Jahre die beiden mRNA-Impfstoffe als gleichwertig.

Die Impfstoffe sollen ausschließlich intramuskulär verabreicht werden. Dies gilt auch für Patient*innen, die Blutgerinnungshemmer einnehmen. Für diese sollen sehr feine Injektionskanülen verwendet und die Einstichstelle soll nach der Impfung mindestens 2 Minuten lang komprimiert werden.

Zwischen mRNA- oder Vektor-basierten COVID-19-Impfungen und der Verabreichung anderer Totimpfstoffe muss kein Impfabstand eingehalten werden. Sie können zeitgleich gegeben werden. Zu Impfungen mit Lebendimpfstoffen soll hingegen ein Mindestabstand von 14 Tagen vor und nach jeder COVID-19- Impfung eingehalten werden.

Es ist ratsam, in den ersten Tagen nach einer Impfung außergewöhnliche körperliche Belastungen und Leistungssport zu vermeiden.

Besonderheiten bei den Impfschemata

Im Rahmen der Grundimmunisierung mit Spikevax werden zwei Impfstoffdosen zu je 100 µg verabreicht. Zur Auffrischimpfung immungesunder Personen mit Spikevax wird die Hälfte der zur Grundimmunisierung genutzten Menge verabreicht (50 µg). Personen mit Immundefizienz erhalten als Impfstoffdosis zur Auffrischung hingegen die identische Dosierung wie bei der Grundimmunisierung (100 µg).
Personen mit einer ersten Impfstoffdosis Vaxzevria empfiehlt die STIKO für die 2. Impfstoffdosis einen mRNA-Impfstoff mindestens 4 Wochen nach der 1. Impfstoffdosis (heterologes Imfschema).

Die Anwendung von Nuvaxovid während der Schwangerschaft und Stillzeit wird aufgrund fehlender Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des enthaltenen Adjuvans Matrix M derzeit nicht empfohlen, kann jedoch in Einzelfällen erwogen werden, z.B. wenn eine produktspezifische, medizinische oder sonstige Kontraindikation gegen mRNA-Impfstoffe besteht.
Personen mit Immunschwäche, die eine medizinische Kontraindikation gegenüber anderen COVID-19-Impfstoffen aufweisen oder die auf die bisher verfügbaren Impfstoffe keine messbare Immunantwort entwickelt haben, können mit dem Proteinimpfstoff geimpft werden. Obwohl Nuvaxovid bisher nicht zur Auffrischimpfung zugelassen ist, kann der Impfstoff bei einer Kontraindikation gegenüber mRNA-Impfstoffen dennoch zur Auffrischimpfung verwendet werden.
Nuvaxovid kann gleichzeitig mit einem Influenza-Totimpfstoff verabreicht werden. Für die Gabe von anderen Totimpfstoffen sowie Lebendimpfstoffen ist ein Abstand von mindestens 14 Tagen vor und nach der Impfung mit Nuvaxovid einzuhalten.
Personen, die mit einem nicht in der EU zugelassenen, inaktivierten Ganzvirusimpfstoff (Covaxin/ BBV152 [Bharat Biotech], Covilo [Sinopharm] oder CoronaVac [Sinovac]) oder mit dem Vektor-basierten Impfstoff Sputnik V [Gamaleja] mindestens 2-mal geimpft worden sind, erhalten eine 1-malige Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff oder mit Nuvaxovid im Mindestabstand von 3 Monaten zur letzten Impfung. Hingegen ist nach einer nur 1-maligen Impfung mit einem der nicht in der EU zugelassenen Impfstoffe eine vollständige neue Impfserie notwendig.

Verträglichkeit der COVID-Impfung bei Rheuma

Patient*innen mit entzündlichen-rheumatischen Erkrankungen vertragen COVID-Impfstoffe gut. Dies zeigen die Ergebnisse der europäischen COVAX-Studie mit Registerdaten von mehr als 5.000 PatientInnen (Stand 17.01.2022: 5.121 Menschen aus 30 Ländern). Das Sicherheitsprofil der Impfung unterscheidet sich nicht von dem der Allgemeinbevölkerung.
Die Patient*innen waren am häufigsten an einer rheumatoiden Arthritis, Spondyloarthritis oder Psoriasis-Arthritis erkrankt. Davon nahmen 54% ein konventionelles Antirheumatikum (z.B. MTX, Leflunomid oder Sulfasalazin) und 42% ein Biologikum ein. 70% waren mit dem Impfstoff von Pfizer/BioNTech geimpft, 17% mit dem von AstraZeneca und 8% mit dem von Moderna.
Die häufigsten Impfnebenwirkungen waren kurze lokale und systemische Reaktionen auf die Injektion – wie etwa Rötungen oder Schmerzen an der Einstichstelle. Ein Schub der rheumatischen Grunderkrankung ist eine seltene Nebenwirkung der Impfung. Nur bei 4,4% wurde ein meist milder und kurzfristig verlaufender Krankheitsschub und sogar nur in 0,6% der Fälle ein schwerwiegender Schub beobachtet. Es ist hierbei zu beachten, dass es auch spontan zu Schüben im Verlauf einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung ohne äußere Einflussfaktoren kommen kann und dass auch eine COVID-Infektion einen solchen Schub auslösen kann.

Auch unsere Fachgesellschaft DGRh hat ein COVID-19-Impfregister initiiert, an dem bis zum 01.11.2021 bereits 2143 Personen teilgenommen haben.

Die erhobenen Registerdaten zeigen auch hier bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) eine gute Verträglichkeit der Impfung mit nur 0,27% schwerwiegenden Nebenwirkungen (6 Patienten: 1 Hirninfarkt, 2 Personen hatten eine Gürtelrose, 3 Personen hatten eine Thrombose). Die drei häufigsten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Einstichstelle (70%), Müdigkeit (42%) sowie Kopfschmerzen (31%).

Wir raten in Anbetracht dieser Fakten unseren Patient*innen gemäß den Empfehlungen der DGRh ausdrücklich zu dieser Impfung.
Es wird von der STIKO zudem empfohlen, dass alle Kontaktpersonen von Patient*innen mit ERE vollständig geimpft sind, was auch andere Impfung z.B. gegen Influenza beinhaltet.

Generell können altersangepasst (s.o.) alle fünf zugelassenen COVID-19-Impfstoffe auch für unsere Patientengruppe als sicher und wirksam gelten. Gemäß Empfehlungen der DGRH sollten Patient*innen mit Antiphospholipidsyndrom oder Immunthrombopenie eher mit einen mRNA-Impfstoff geimpft werden.

Vereinzelt sind nach Impfung mit Comirnaty, Spikevax, Vaxzevria und JCOVDEN (vormals COVID-19 Vaccine Janssen) schwerwiegende allergische Unverträglichkeitsreaktionen aufgetreten. Nach der derzeitigen Datenlage ist ein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Personen mit vorbekannten allergischen Erkrankungen bei Impfung mit mRNA-Impfstoffen nicht anzunehmen, sofern keine Allergie gegen einen Inhaltsstoff des jeweiligen Impfstoffs vorliegt (z.B. Polyethylenglykol im Falle der COVID-19-mRNA-Impfstoffe). Zur weiteren Information wird auf die Empfehlung zur Coronaimpfung für Allergikerinnen und Allergiker des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und das Flussdiagramm zum Vorgehen bei positiver Allergieanamnese vor COVID-19-Impfung verwiesen. Im Falle einer allergischen Reaktion auf Comirnaty kann auch Nuvaxovid eine Alternative darstellen.

Nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen sind in seltenen Fällen Myo-/Perikarditiden (Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen) aufgetreten. Betroffen waren bisher überwiegend Jungen sowie junge Männer. Die Komplikationen traten größtenteils in den ersten 14 Tagen nach der 2. Impfstoffdosis auf. Die akuten Erkrankungen verliefen meist mild. Treten nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff Atemnot, Herzrhythmusstörungen oder Brustschmerzen auf, sollen die Betroffenen umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Tritt nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff eine Myo- oder Perikarditis auf, sollte in der Regel auf die Verabreichung weiterer Impfstoffdosen eines mRNA-Impfstoffs verzichtet werden.

Warum trotz steigender Impfquote immer mehr Impfdurchbrüche?

Dass es mit steigender Impfquote zu immer mehr Impfdurchbrüchen kommt, ist zu erwarten. Mit steigender Impfquote sind unter den Erkrankten auch anteilsmäßig immer mehr Geimpfte zu erwarten. Dies ist kein Hinweis darauf, dass die Impfstoffe nicht wirksam sind.

Die Wirksamkeit der COVID-19 Impfungen ist sehr gut, aber beträgt nicht 100%. Obwohl die Impfstoffe sehr wirksam sind, können sie nicht alle Infektionen bei Geimpften verhindern. Sie sorgen aber dafür, dass Infektionen deutlich weniger häufig vorkommen und dass schwere COVID-19-Krankheitsverläufe bei Geimpften sehr selten werden. Wenn die Impfquote steigt, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass in dem geimpften Bevölkerungsteil auch ein*e Infizierte*r ist. Das bedeutet: wenn der Anteil der Geimpften in der Population steigt, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren bzw. erkranken Geimpfte betroffen sein können.
Die Anzahl der Impfdurchbrüche ist darüber hinaus auch von der Anzahl aktiver Fälle abhängig. Je mehr aktive Fälle es gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit sich als Geimpfter zu infizieren.

Eine Impfung ist also trotz der möglichen Impfdurchbrüche medizinisch sinnvoll und empfehlenswert.

Impfung von Personen mit durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion

Die STIKO geht davon aus, dass alleinig eine durchgemachte symptomatische oder asymptomatische SARSCoV-2-Infektion nicht ausreicht, um spätere COVID-19-Erkrankungen zu verhindern. Vielmehr haben immunologische Untersuchungen und klinische Beobachtungsstudien ergeben, dass ein solider Schutz vor Infektion und schwerer Erkrankung durch SARS-CoV-2-Varianten erst durch eine mehrmalige Auseinandersetzung mit dem Spikeprotein von SARS-CoV-2 zu erlangen ist.
Dies kann durch eine 3-malige Impfung (also Grundimmunisierung + Booster) oder durch eine Kombination von natürlicher Infektion und Impfung (hybride Immunität) erreicht werden. Daher sollen auch Personen mit einer oder mehreren zurückliegenden SARS-CoV-2-Infektionen geimpft werden. Die chronologische Abfolge des Auftretens der drei immunologischen Ereignisse (SARS-CoV-2-Infektion bzw. COVID-19-Impfung) ist dabei wahrscheinlich unerheblich. Zwischen den jeweiligen Ereignissen muss jedoch ein zeitlicher Mindestabstand bestehen, damit diese als getrennte, immunologisch wirksame Ereignisse bewertet werden können. Die STIKO empfiehlt zwischen einer durchgemachten SARS-CoV2-Infektion und einer nachfolgenden COVID-19-Impfung einen Abstand von optimal > 3 Monaten einzuhalten. Zum Erreichen einer bestmöglichen Immunität wird explizit auch ungeimpften Personen, die drei oder mehr SARS-CoV-2-Infektionen durchgemacht haben, eine Auffrischimpfung empfohlen.

Grundimmuniserung nach SARS-CoV-2-Infektion

Personen, die nach der 1. Impfstoffdosis der Grundimmunisierung eine gesicherte SARS-CoV-2-Infektion im Abstand von < 4 Wochen zur vorangegangenen Impfung hatten, erhalten im Rahmen der Grundimmunisierung eine 2. Impfstoffdosis mit einem Abstand ab 3 Monaten zur Infektion. Bei serologischem Nachweis der SARS-CoV-2-Infektion ist die Gabe einer Impfstoffdosis auch hier bereits im Abstand von 4 Wochen zur Labordiagnose möglich.
Ist die SARS-CoV-2-Infektion in einem Abstand von > 4 Wochen zur vorangegangenen 1-maligen Impfung aufgetreten, ist keine weitere Impfung zur Grundimmunisierung notwendig.

Ungeimpfte Personen, die < 4 Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion eine 1. Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erhalten haben, sollten zur Vervollständigung der Grundimmunisierung eine weitere Impfstoffdosis ≥3 Monaten nach der 1. Impfstoffdosis erhalten.
Ungeimpfte Personen, die > 4 Wochen nach einer SARS-CoV-2-Infektion eine 1. Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erhalten haben, benötigen zur Vervollständigung der Grundimmunisierung keine weitere Impfstoffdosis.
Die Auffrischimpfung sollte in den o.a. Fällen nach den bestehenden Empfehlungen (s.u.) erfolgen. Nur bei Personen mit SARS-COV-2-Infektion, nachfolgender 1. Impfstoffdosis nach ≥ 4 Wochen und 2. Impfstoffdosis nach ≥3 Monaten ist keine Auffrischimpfung notwendig.

Generella Empfehlungen zur Auffrischung der Impfung

Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 18 Jahren eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff in einem Mindestabstand von 3 Monaten zur vollendeten Grundimmunisierung. Unabhängig davon, welcher Impfstoff bei der vorher erfolgten Immunisierung verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff, also Comirnaty (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax (Moderna), genutzt werden – dies gilt somit auch für mit einem Vektor-Impfstoff geimpfte Personen. Obwohl Nuvaxovid bisher nicht zur Auffrischimpfung zugelassen ist, kann der Impfstoff in Ausnahmefällen bei einer Kontraindikation gegenüber mRNA-Impfstoffen dennoch zur Auffrischimpfung verwendet werden.

Der empfohlene Mindestabstand von 3 Monaten liegt in der Verbreitung der Omikron-Variante begründet. Aktuelle Daten deuten auf einen deutlich verringerten Impfschutz gegenüber der Omikron-Variante nach abgeschlossener Grundimmunisierung hin. Dieser nimmt bereits 3 bis 4 Monaten nach Grundimmunisierung deutlich ab. Nach Verabreichung einer Auffrischimpfung steigt die Schutzwirkung jedoch wieder deutlich an und durch die Verkürzung des Impfabstands soll der Schutz der Bevölkerung vor (schweren) Erkrankungen durch Infektionen mit der Omikron-Variante verbessert werden.

Eine 2. Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff 3 Monate nach der 1. Auffrischimpfung empfiehlt die STIKO für folgende besonders gefährdete bzw. exponierte Personengruppen:

Menschen ab 70 Jahren

Bewohner*innen und Betreute in Pflegeeinrichtungen

Menschen mit Immunschwäche (also auch Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen)

Tätige in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen

Die 2. Auffrischimpfung soll bei gesundheitlich gefährdeten Personengruppen frühestens 3 Monate nach der 1. Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. Es soll vorzugsweise der mRNA-Impfstoff verabreicht werden, der bei der Grundimmunisierung bzw. der 1. Auffrischimpfung zur Anwendung kam. Personen der o.g. Gruppen, die nach der 1. Auffrischimpfung eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, wird keine weitere Auffrischimpfung empfohlen.

Auffrischimpfung nach COVID-19-Infektion

Personen, die nach einer SARS-CoV-2-Infektion wie oben angegeben ihre Grundimmunisierung komplettiert haben oder Personen die während Ihrer Grundimmunisierung wie o.a. an COVID-19 erkrankt sind, sollen in im Abstand von mindestens 3 Monaten nach Abschluss der Grundimmunsierung ebenfalls eine Auffrischimpfung erhalten.

Tritt die SARS-CoV-2-Infektion jedoch in einem Abstand von ≥ 3 Monaten nach der vollständigem Grundimmunisierung bestehend aus 2 Impfstoffdosen, im empfohlenen Abstand auf, ist bis auf weiteres keine Auffrischimpfung notwendig (Auffrischimpfung nur für Personen, die eine Indikation für eine 2. Auffrischimpfung haben s.u.). Wie bereits oben aufgeführt ist bei Personen mit SARS-COV-2-Infektion, nachfolgender 1. Impfstoffdosis nach ≥ 4 Wochen und 2. Impfstoffdosis nach ≥3 Monaten keine Auffrischimpfung notwendig .

Bei einer kleinen Gruppe schwer immundefizienter Personen wie z.B. bei Patient*innen nach Organtransplantation und Krebspatient*innen unter immunsuppressiver Therapie oder Chemotherapie können zur Optimierung der Grundimmunisierung bereits mehrere Impfstoffdosen notwendig sein. Diese Impfstoffdosen sollen im Mindestabstand von 4 Wochen zur jeweils vorangegangenen Impfstoffdosis verabreicht werden. Erst nach erfolgreicher Grundimmunisierung sollen 2 Auffrischimpfungen im Mindestabstand von 3 Monaten erfolgen

Es ist hierbei ausdrücklich anzumerken, dass Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen im Allgemeinen NICHT zur dieser Gruppe schwer immundefizienter Personen zählen.
Einzelne Sonderfälle werden s.u. im folgenden Text erörtert.

Impferfolg unter immunsuppressiver Medikation

Das alleinige Vorliegen einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung und die Einnahme der üblicherweise eingesetzten immunsuppressiven Medikamente führt in der Regel alleine nicht zu einem verminderten Impfansprechen. Das Immunsystem ist hierdurch nicht in dem Maße beeinträchtigt wie das von Höchstbetagten oder Patient*innen nach Organtransplantation oder unter einer Chemotherapie. Auch von der STIKO wird ausdrücklich betont, dass Autoimmunerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis, ein Systemischer Lupus erythematodes, eine Multiple Sklerose und eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung von sich aus zu keiner relevanten Einschränkung der Impfantwort führen.

Als schwere immunsuppressive Therapie zu werten sind lediglich:

Rituximab

Cyclophopsphamid

Abatacept

MMF (Mycophenolat)

Prednisolon > 20 mg/Tag

Patient*innen, die zum Zeitpunkt der Grundimmunisierung diese Medikamente bekommen haben und somit unter einer besonders starken Immunsuppression standen oder während eines Rheumaschubes geimpft worden sind, sollten nach individueller Risikoabschätzung bereits ab vier Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung und nicht erst nach 3 Monaten eine dritte Impfung erhalten können.
Im Falle einer Rituximab-Therapie wird angeraten, diese 3. Impfung erst vier bis sechs Monate nach der letzten Rituximab-Infusion zu verabreichen, da zu einem früheren Zeitpunkt entweder keine oder eine nur geringe Impfantwort induziert wird. Eine erneute Rituximab-Gabe sollte dann erst wieder 4 Wochen nach der Impfung erfolgen.

Folgende Therapien sind hingegen ohne relevante Einschränkung der Impfantwort, sodass eine Auffrischimpfung erst nach ≥ 3 Monaten empfohlen wird:

Basistherapeutika
Apremilast
Azathioprin
Ciclosporin
Hydroxychloroquin
Leflunomid (≤ 20 mg/Tag)
Methotrexat (≤ 20 mg/Woche)
Sulfasalazin
JAK-Inhibitoren
Tofacitinib
Baricitinib
Filgotinib
Upadacitinibab
Biologika
TNF-Blocker*
Anakinra
Canakinumab
Tocilizumab
Sarilumab
Secukinumab
Ixekizumab
Ustekinumab
Guselkumab
Risankizumab
Mepolizumab
Belimumab
*: TNF-Blocker sind Infliximab, Adalimumab, Certolizumab, Etanercept und Golimumab.

Es gibt keine generellen Empfehlungen, die medikamentöse Basistherapie wegen der Impfung zu pausieren.

Eine Besonderheit stellen wie oben angeführt Therapien mit Rituximab, Cyclophosphamid oder hoch dosiertem Prednisolon > 20 mg/Tag dar. In diesen Fällen sollten Sie den geeigneten Zeitpunkt für eine Impfung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen (Ausnahme Rituximab s.o.).

In zwei Studien aus Erlangen und New York zeigten sich unter Therapie mit Methotrexat / MTX verringerte Anti-SARS-CoV-2-Antikörper nach Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Es wurde aber nicht untersucht, ob diese Patient*innen häufiger und schwerer an COVID-19 erkrankten. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) empfiehlt aufgrund der nicht eindeutigen Datenlage kein obligates Pausieren von MTX wegen der SARS-CoV-2-Impfung. Im Falle einer stabilen Remission der Grunderkrankung kann nach Rücksprache mit dem oder der Rheumatolog*in das Pausieren der MTX-Gabe für 10 Tage nach der Impfung erwogen werden. Dringend rät die DGRh von einer längeren Therapiepause ab.

Bei stabiler Remission der rheumatischen Erkrankung kann auch ein Pausieren von JAK-Inhibitoren (Präparate Xeljanz, Olumiant, Rinvoq und Jyseleca), Mycophenolat und Abatacept (Orencia) nach unten angegeben Schema erwogen werden, ist aber nicht zwingend notwendig. Alle anderen hier nicht gesondert erwähnten Medikamente sollten unverändert fortgesetzt werden. Eine gute Krankheitskontrolle ist gegenüber einer möglicherweise abgeschwächten Immunantwort auch im Kontext von Impfungen vorrangig.

Pausieren von Medikamenten wegen der COVID-19-Impfung
JAK-Inhibitoren
(Xelianz, Olumiant, Rinvoq und Jyseleca)
5-7 Tage nach der Impfung
Mycophenolat je 1 Woche vor und nach jeder Impfung
Abatacept (Orencia) subkutan je 1 Woche vor und nach jeder Impfung
Abatacept-Infusion im Intervall zwischen den Infusionen, wenn möglich 4 Wochen nach einer Infusion mit Verzögerung der nächsten Infusion um 1 Woche
MTX / Methotrexat 10 Tage nach der Impfung

Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Paracetamol sollten 6-24 Stunden vor der Impfung und 6 Stunden nach der Impfung vermieden werden.

Es ist ratsam, in den ersten Tagen nach einer Impfung außergewöhnliche körperliche Belastungen und Leistungssport zu vermeiden.

Besondere Krankheitsbilder

Nur bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden und idiopathisch-inflammatorischen Myositiden (Dermatomyositis, Polymyositis) gibt es Hinweise auf eine mögliche Einschränkung der Impfantwort.Ansonsten hat sich gezeigt, dass Patient*innen mit ERE eine in Quantität und Qualität mit der von gesunden Personen vergleichbare Impfantwort entwickeln. Es gibt keine Daten, dass Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch die Impfungen nicht in dem Maße geschützt wären wie gesunde Personen oder dass der Impfschutz bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kürzer sei. Auch von der STIKO wird ausdrücklich betont, dass Autoimmunerkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis, ein Systemischer Lupus erythematodes, eine Multiple Sklerose und eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung von sich aus zu keiner relevanten Einschränkung der Impfantwort führen.

Das Impfansprechen kann jedoch durch eine schlecht kontrollierte Rheumaerkrankung oder eine starke immunsuppressive Therapie (s.u.) vermindert sein. Daher sind eine gute Krankheitskontrolle der ERE und somit eine Fortsetzung der Rheumatherapie von großer Wichtigkeit, zumal eine schlecht kontrollierte ERE einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 darstellt.

Kontrolle des Impferfolges

Eine serologische Antikörpertestung zur Überprüfung des Impferfolges wird nicht grundsätzlich empfohlen. Der Wert, der einen sicheren Schutz bedeutet und damit eine oder mehrere Impfstoffdosen unnötig machen würde, ist nicht bekannt. Fälschlicherweise nehmen viele Menschen an, dass bei hohem Antikörperspiegel nach der Grundimmunisierung keine Auffrisch-Impfung verabreicht werden sollte. Die serologische Antikörpertestung kann nicht bewiesen, dass weiterhin ein Schutz vor COVID-19 besteht. Sicherheitsbedenken für eine Auffrisch-Impfung bei Nachweis einer hohen Antikörperkonzentration gibt es nicht.

Außerdem sind Antikörper nicht der einzige Mechanismus, mit dem das Immunsystem Krankheitserreger bekämpft. Die wichtigsten Träger der gezielten Immunabwehr sind die Lymphozyten – eine Untergruppe der weißen Blutzellen (Leukozyten). Die B-Lymphozyten produzieren Abwehrstoffe, die sogenannten Antikörper. Diese richten sich jeweils spezifisch gegen ein als körperfremd erkanntes Antigen. Die T-Lymphozyten erkennen Antigene, also körperfremde Strukturen, auf der Oberflächen von körpereigenen Zellen. Sie sorgen dann dafür, dass die entsprechenden kranken oder veränderten Zellen entfernt werden.
Während man Antikörper-Spiegel im Blut messen kann, um die B-Zell-Antwort auf eine Impfung zu überprüfen, kann man die T-Zell-Antwort nicht einfach mit einem Labortesten ermitteln. Bezüglich der SARS-CoV-2-Impfung weisen außerdem nicht alle verfügbaren Bluttests Antikörper gegen das Virusprotein nach, dessen Bildung durch die Impfstoffe ausgelöst wird.

Es kann also auch bei fehlendem Nachweis von Coronavirus-Antikörpern durch die T-Zell-Antwort durchaus ein Impfschutz bestehen.
So konnte in einer Studie aus Wien bei 58% der Patient*innen unter einer gegen die B-Zellen gerichteten Therapie mit Rituximab eine gute T-Zell-Antwort gegen SARS-Cov2 gemessen werden. Also auch bei einem Großteil der Patient*innen ohne B-Zellen und ohne messbare Antikörper im Blut wurde durch die Impfung eine Schutzwirkung erzielt. Hierbei ist Rituximab ein sehr starkes Medikament, dass viel stärker ein Impfansprechen vermindert als Basistherapeutika wie MTX und die meisten Biologika. Bei diesen Medikamenten ist mit einer noch besseren T-Zell-Antwort zu rechnen.

Lediglich bei schwer immundefizienten Personen mit einer erwartbar stark verminderten Impfantwort soll frühestens 4 Wochen nach der 2. Impfstoffdosis UND frühestens 4 Wochen nach der 3.Impfstoffdosis eine quantitative serologische Untersuchung auf spezifische Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Spikeprotein (Gesamtprotein S1-Untereinheit oder Rezeptorbindungsdomäne) erfolgen. Die Blutentnahme für die erste Antikörpermessung kann am selben Termin durchgeführt werden, an dem die 3.Impfstoffdosis verabreicht wird; das Antikörperergebnis muss aus den o.g. Gründen für die Gabe der 3.Impfstoffdosis nicht abgewartet werden.

Hat die Impfung während eines Rheumaschubes oder während einer schweren, fieberhaften Erkrankung stattgefunden, könnte ausnahmsweise ein Test auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 eine gewisse Information über die erreichte Impfantwort geben und als Entscheidungshilfe bezüglich einer vorzeitigen Auffrischimpfung bereits 4 Wochen nach der erstem Impfserie dienen. Bei Personen, die zum Zeitpunkt der Impfung leichtes Fieber hatten, ist eine Abschwächung der Impfreaktion nicht zu befürchten, und besteht keine Notwendigkeit einer vorzeitigen Auffrischimpfung.

Sollten nach der 3. Impfstoffdosis unverändert sehr niedrige oder keine spezifischen Antikörper messbar sein, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Datenlage zu diesen Optionen ist jedoch sehr limitiert.

– Die Dosis des mRNA-Impfstoffs kann gesteigert werden (z.B. Applikation einer doppelten Dosis von Comirnaty als off-label-Anwendung; oder Impfung mit Spikevax (100µg).
– Es kann auch ein Impfstoff einer anderen Technologie zur Anwendung kommen (z.B. ein Vektor-Impfstoff oder ein adjuvantierter ProteinImpfstoff wie Nuvaxovid).
– es können weitere Impfstoffdosen zur Grundimmunisierung im Abstand von 4 Wochen erwogen werden. Über weitere Antikörpermessungen muss individuell entschieden werden.
Für Personen ohne ausreichenden Immunschutz ist die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln besonders wichtig. Auch ist auf eine umfassende Impfung aller Kontaktpersonen hinzuwirken.

Kombination der COVID-19-Impfung mit anderen Impfungen?

Zwischen COVID-19-Impfungen und der Verabreichung anderer Totimpfstoffe wie z.B. der Grippe-Impfung oder der Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken) muss kein Impfabstand eingehalten werden. Sie können auch zeitgleich gegeben werden. Zu Impfungen mit Lebendimpfstoffen soll hingegen ein Mindestabstand von 14 Tagen vor und nach jeder COVID-19-Impfung eingehalten werden.
Wenn die Gabe von verschiedenen Totimpfstoffen indiziert ist, können diese zeitgleich (an unterschiedlichen Extremitäten) gegeben werden.
Bei einer gleichzeitigen Gabe von 2 Impfstoffen ist zu beachten, dass Impfreaktionen häufiger als bei der getrennten Gabe auftreten können. Wirksamkeit und Sicherheit entsprechen bei gleichzeitiger Anwendung verschiedener Impfstoffe im Allgemeinen denen bei jeweils alleiniger Anwendung.

Auch Nuvaxovid kann gleichzeitig mit einem Influenza-Totimpfstoff verabreicht werden. Für die Gabe von anderen Totimpfstoffen sowie Lebendimpfstoffen ist ein Abstand von mindestens 14 Tagen vor und nach der Impfung mit Nuvaxovid einzuhalten.

Können Personen, die vollständig geimpft sind, das Virus weiterhin übertragen?

Die vorhandenen Daten belegen, dass die in Deutschland zur Anwendung kommenden COVID-19-Impfstoffe SARS-CoV-2-Infektionen in einem erheblichen Maße verhindern. Darüber hinaus ist die Virusausscheidung bei Personen, die trotz Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion haben, kürzer als bei ungeimpften Personen mit SARS-CoV-2-Infektion. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach entsprechender Exposition trotz Impfung mit oder ohne nachfolgende Krankheitssymptome infiziert werden können, dabei SARS-CoV-2 ausscheiden und entsprechend infektiös sein können. Daher empfiehlt die STIKO auch nach Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten.

Welche medizinischen Gründe (Kontraindikationen) sprechen gegen die Impfung?

Es gibt nur sehr wenige Kontraindikationen, warum eine Person sich dauerhaft oder vorübergehend nicht gegen COVID-19 impfen lassen kann.

Zu den Gründen zählen u.a. NICHT rheumatologische Erkrankungen, Krebserkrankungen, neurologische Erkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose, Allergien (die nicht spezifisch gegen Bestandteile der Impfung bestehen), Behandlung mit Kortison oder die Einnahme von Gerinnungsmedikamenten. Auch in diesen Fällen ist eine COVID-19-Impfung MÖGLICH!
Nach Einschätzung des RKI können nur sehr wenige Personen (Einzelfälle) aufgrund von Allergien gegen Bestandteile der COVID-19-Impfstoffe nicht geimpft werden, siehe beim RKI zu genau diesem Punkt oder allgemeiner beim RKI Antworten auf häufig gestellte Fragen bezüglich Sicherheit der Impfstoffe. In der Regel können Personen, die mit einem der Impfstofftypen (mRNA versus Vektor-basiert) nicht impfbar sind, mit dem jeweils anderen geimpft werden. Auch Nuvaxovid kann zukünftig eine Alternative darstellen.


Wichtige Telefonnummern

  • 116117: Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung. Patienten können sich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche an diese Telefonnummer wenden. Es erfolgt eine Beratung sowie eine weitere Vermittlung bei bestehendem Infektionsverdacht.
  • 040 428284000: eine extra eingerichtete Corona-Hotline der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV)

 

Hilfreiche Informationen finden Sie unter anderem unter den folgenden Links

 

Ihr Praxisteam