Aktuelles zum Corona-Virus „COVID19“
Stand vom 25.11.2021

Liebe Patient*innen,

verständlicherweise wenden sich viele Patient*innen mit Fragen zum Coronavirus an uns. Aufgrund des hohen Aufkommens an Anfragen an uns, sind unsere Ärzte und Ärztinnen leider nicht in der Lage, diese alle persönlich zu beantworten. Wir hoffen, dass Ihnen mit den unten aufgeführten Informationen bei vielen Fragen schon geholfen ist. Viele Informationen sind auch in den Stellungnahmen unserer Fachgesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) enthalten.

Häufig gestellte Fragen

Besuch unserer Praxis

Trotz der Corona-Pandemie sollten die rheumatologischen Kontrolltermine sowie die notwendigen Laborkontrollen bei uns fortgesetzt werden. Rezepte können aktuell, wenn sie im letzten Quartal als Patient*in bei uns waren, in Ausnahmefällen ohne persönlichen Kontakt nach telefonischer Rücksprache versandt werden. Wir sind insgesamt bemüht, die Kontaktzeit zu anderen Personen möglichst gering zu halten. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie zu Ihrem Termin pünktlich und vorbereitet erscheinen.

Wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft, sollten Sie bitte die Praxis NICHT ohne vorherige telefonische Rücksprache betreten:

  • Hatten Sie in den letzten 14 Tagen Kontakt mit einem sicher am Coronavirus Erkrankten?
  • Besteht bei Ihnen aktuell eine SARS-CoV-2-Infektion oder war bei Ihnen ein Abstrich positiv für das Coronavirus?
  • Leiden Sie an akuten Atemwegsbeschwerden (Luftnot, Husten…) oder haben Sie weitere Zeichen einer Infektion (Fieber, Gliederschmerzen…)?

Im Falle der oben genannten Symptome empfehlen wir die 116117 anzurufen. Bei Luftnot rufen Sie bitte die 112 (Rettungsdienst) an.

Schutzmaßnahmen in der Praxis

Seit dem 02.11.2020 gilt in Hamburg im Rahmen der Eindämmungsverordnung § 10C die Maskenpflicht bei Gesundheitsbehandlungen. Alle Patient*innen sind daher ebenso wie unser Personal zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Praxis verpflichtet. Sicherheitsabstände werden so gut es geht eingehalten und unsere Praxisräume auch bei kalten Temperaturen regelmäßig gelüftet. Bitte berücksichtigen Sie letzteres bei der Auswahl Ihrer Garderobe. Begleitpersonen sollen bitte nur die Praxisräume betreten, wenn dies aus medizinischen oder sprachlichen Gründen notwendig ist. Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir Ihre Angehörigen in anderen Fällen bitten, außerhalb der Praxisräume zu warten. Dies geschieht auch zu Ihrem Schutz.

Rheuma-Therapie in Zeiten der Pandemie

Gemäß der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) erscheint eine entzündlich-rheumatische Erkrankung (ERE) an sich nicht als Risikofaktor für eine COVID19-Infektion oder für einen schweren COVID-19-Verlauf. Die meisten Rheumamedikamente sind auch im Falle einer Infektion sicher einsetzbar. Einige Wirkstoffe scheinen sogar vor schweren Verläufen der Erkrankung zu schützen.

Anhand der Daten aus dem COVID-19-Register der DGRh (Stand November 2021: 2.274 Patient*innen mit ERE und einer SARS-CoV-2-Infektion) zeigte sich, dass die häufig eingesetzten TNF-Blocker (Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab Infliximab) eher mit einem milderen Verlauf der Infektion assoziiert sind. Eine medikamentös unzureichend kontrollierte, in einem aktiven Schub befindliche Rheumaerkrankung dagegen gilt durchaus als Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Die Medikation sollte also unverändert fortgesetzt werden und Patient*innen sollten keinesfalls Medikamente selbständig absetzen.

Was sollte man im Fall einer COVID-19-Infektion bzw. im Falle eines positiven PCR-Testes tun?

Bei mittels PCR positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Patient*innen ohne Infektzeichen (auch nach Kontakt zu SARS-CoV-2 positiven Personen) sollte ein Pausieren bzw. Hinauszögern einer Biologika-Gabe bzw. der Einnahme eines JAK-Hemmers (Präparate Xeljanz, Olumiant, Rinvoq und Jyseleca) für die Dauer der mittleren Inkubationszeit einer SARS-CoV-2-Infektion (z.B. 5 – 6 Tage) erwogen werden. Prinzipiell sollten andere Basistherapeutika inklusive Prednisolon bei fehlenden Infektzeichen nicht abgesetzt werden.

Bei Patient*innen mit gesicherter, aktiver COVID-19 sollte die Basistherapie pausiert und Leflunomid eventuell sogar ausgewaschen werden. Eine für die Behandlung der rheumatologischen Erkrankung eingesetzte Prednisolon-Dauertherapie ≤ 10 mg/d sollte in gleicher Dosis fortgesetzt werden. In jedem Fall sollte eine Pause der Medikamente mit dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin besprochen werden (siehe auch die Handlungsempfehlung der DGRh).

Kann ich eine prophylaktische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten?

Eine solche Option besteht NICHT.

Impfungen und Impfstoffe

Zum jetzigen Zeitpunkt (25.11.2021) sind in Deutschland durch die EMA vier Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 Virus zugelassen:

  • die mRNA-Vakzine Comirnaty (Firma BioNTech/Pfizer) und Spikevax (Firma Moderna Moderna)
  • die Vektor-Impfstoffe Vaxzevria (Firma Astra Zeneca) und COVID-19   Vaccine * Janssen (Firma Janssen-Cilag/Johnson & Johnson)

Bei diesen Impfstoffen handelt es sich um Totimpfstoff, so dass eine Impfung auch bei entzündlich-rheumatische Erkrankungen unter immunsuppressiver Therapie möglich ist. Die Vektor-Impfstoffe basieren auf nicht-vermehrungsfähigen Viren. Die mRNA und die in den Vektoren befindliche DNA integrieren sich nicht in das menschliche Genom und es werden keinerlei Substanzen mit dem Vakzin verabreicht, aus denen der geimpfte Organismus komplette oder infektiöse Viruspartikel zusammensetzen könnte. Die Vakzine führen zur vorübergehenden Produktion von Virusproteinen, gegen die das Immunsystem protektive Antikörper produzieren kann.

 

Impfstoff Impfabstand Alter
Comirnaty (BioNTech/Pfizer) 3-6 Wochen Ab ≥5 Jahre
Spikevax (Moderna) 4-6 Wochen Ab ≥30 Jahre
Vaxzevria (AstraZeneca) 9-12 Wochen Ab ≥60 Jahre
Heterologes Impfschema
(Vaxzevria oder Janssen/mRNA-Impfstoff)
ab 4 Wochen Ab ≥60 Jahre

Unsere Fachgesellschaft DGRh hat ein COVID-Impfregister initiiert, an dem bis zum 01.11.2021 bereits 2143 Personen teilgenommen haben.

Die erhobenen Registerdaten zeigen auch bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) eine gute Verträglichkeit der Impfung mit nur 0,27% schwerwiegenden Nebenwirkungen  (6 Patienten: 1 Hirninfarkt, 2 Personen hatten eine Gürtelrose, 3 Personen hatten eine Thrombose). Die drei häufigsten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Einstichstelle (70%), Müdigkeit (42%) sowie Kopfschmerzen (31%). Jeder sechste gab an, keine Nebenwirkungen nach der Covid-19-Impfung gehabt zu haben. Die Entzündungsaktivität nach der Covid-19-Impfung hat bei 15,4% der Patient*innen zugenommen, wobei die durchschnittliche Stärke des Schubes mit 5 (Skala 0-10) angegeben wurde.

Wir raten unseren Patient*innen gemäß den Empfehlungen der DGRh ausdrücklich zu dieser Impfung, zumal sich bisher in den weltweit erfolgten Immunisierungen keine besonderen Risiken bei Patient*innen mit ERE zeigten. Es wird von der STIKO zudem empfohlen, dass alle Kontaktpersonen von Patient*innen mit ERE vollständig geimpft sind, was auch andere Impfung z.B. gegen Influenza beinhaltet.

Generell können altersangepasst (s.o.) alle vier zugelassenen COVID-19-Impfstoffe auch für unsere Patientengruppe als sicher und wirksam gelten. Gemäß Empfehlungen der DGRH sollten Patient*innen mit Antiphospholipidsyndrom oder Immunthrombopenie eher mit einen mRNA-Impfstoff geimpft werden.

Personen mit einer ersten Impfstoffdosis Vaxzevria empfiehlt die STIKO für die 2. Impfstoffdosis einen mRNA-Impfstoff mindestens 4 Wochen nach der 1. Impfstoffdosis. Seit September 2021 wird auch für alle mit dem Vektorimpfstoff der Firma Johnson & Johnson geimpften Personen dringend eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff mindestens 4 Wochen nach der Johnson & Johnson-Impfung empfohlen.

Vereinzelt sind nach Impfung mit Comirnaty schwerwiegende allergische Unverträglichkeitsreaktionen aufgetreten. Nach der derzeitigen Datenlage ist ein generell erhöhtes Risiko für solche Reaktionen für Personen mit vorbekannten allergischen Erkrankungen nicht anzunehmen, sofern keine Allergie gegen einen Inhaltsstoff des jeweiligen Impfstoffs vorliegt (z.B. Polyethylenglykol im Falle der mRNA-Impfstoffe). Zur weiteren Information wird auf die Empfehlung zur Coronaimpfung für Allergikerinnen und Allergiker des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und das Flussdiagramm zum Vorgehen bei positiver Allergieanamnese vor COVID-19-Impfung verwiesen.

Impfung nach Coronavirus-Infektion

Bei gesicherter symptomatischer Infektion soll die notwendige Impfstoffdosis in der Regel 6 Monate nach der Infektion gegeben werden, kann jedoch bereits 4 Wochen nach Ende der Infektion erfolgen. Das Risiko für eine Reinfektion ist in den ersten Monaten nach einer gesicherten SARS-CoV-2-Infektion sehr niedrig, kann aber mit zunehmendem Abstand ansteigen.
Nach gesicherter asymptomatischer Infektion kann die Impfung bereits ab 4 Wochen nach der Labordiagnose erfolgen.

Personen, die bereits einmal gegen COVID-19 geimpft wurden und bei denen nach dieser Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion durch direkten Erregernachweis gesichert wurde, sollen die 2. Impfung in der Regel 6 Monate nach Ende der Symptome bzw. der Diagnose erhalten. Die Gabe einer Impfstoffdosis ist auch hier bereits ab 4 Wochen nach dem Ende der Symptome möglich.

Personen, die nach einmaliger Impfung mit dem Janssen / Johnson & Johnson-Impfstoff eine labordiagnostisch gesicherte Infektion durchgemacht haben, empfiehlt die STIKO nicht die zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Stand Oktober 2021).

Auffrischung der Impfung

Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 18 Jahren eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff  sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie. Besonders wichtig ist dies für die Angehörigen von Risikogruppen (s.u.).
Unabhängig davon, welcher Impfstoff bei der vorher erfolgten Immunisierung verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff, also Comirnaty (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax (Moderna), genutzt werden – dies gilt somit auch für mit einem Vektor-Impfstoff geimpfte Personen. Erfolgte die Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff soll möglichst der gleiche Impfstoff angewendet werden.

Neben Personen ≥70 Jahren gehören zu den Risikogruppen u.a. Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Personal in Pflege- und medizinischen Einrichtungen und auch Personen mit Immundefizienz wie Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen (ERE) und entsprechenden immunsuppressiven Therapien. Auch unsere Patient*innen sollte somit etwa 6 Monate nach einer SARS-CoV-2-Grundimmunisierung eine zusätzliche Impfstoffdosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten.

Bei einer kleinen Gruppe schwer immundefizienter Personen wie z.B. bei Patient*innen nach Organtransplantation und Krebspatient*innen unter immunsuppressiver Therapie oder Chemotherapie, kann diese zusätzliche Impfstoffdosis als Optimierung der primären Impfserie bereits 4 Wochen nach dieser Grundimmunisierung angeboten werden. Es ist hierbei ausdrücklich anzumerken, dass Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen im Allgemeinen NICHT zur dieser Gruppe schwer immundefizienter Personen zählen. Einzelne Sonderfälle werden im folgenden Text erörtert.

In einer Empfehlung vom 08.11.21 hat unsere Fachgesellschaft DGRh vier Grundsatzempfehlungen für Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) formuliert:

I) Alle Patient*innen mit ERE sollten eine 3. Impfung ab dem sechsten Monat nach Abschluss der Grundimmunisierung erhalten.

II) Patient*innen, die zum Zeitpunkt der Grundimmunisierung gegen COVID-19 unter einer laufenden Therapie mit

Rituximab,
Cyclophopsphamid,
Abatacept,
MMF (Mycophenolat)
oder
höher dosiertem Kortison (Prednisolon > 20 mg/Tag)

und somit unter einer besonders starken Immunsuppression standen oder während eines Rheumaschubes geimpft worden sind, sollten nach individueller Risikoabschätzung bereits ab vier Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung eine dritte Impfung erhalten können.

Im Falle einer Rituximab-Therapie wird angeraten, diese 3. Impfung erst vier bis sechs Monate nach der letzten Rituximab-Infusion zu verabreichen, da zu einem früheren Zeitpunkt entweder keine oder eine nur geringe Impfantwort induziert wird. Eine erneute Rituximab-Gabe sollte dann erst wieder 4 Wochen nach der Impfung erfolgen.

Folgende Therapien sind hingegen ohne relevante Einschränkung der Impfantwort, so dass eine Auffrischimpfung erst nach ≥ 6 Monaten empfohlen wird:

Basistherapeutika: Apremilast, Azathioprin, Ciclosporin, Hydroxychloroquin, Leflunomid (≤ 20 mg/Tag), Methotrexat (≤ 20 mg/Woche), Sulfasalazin  und Tacrolimus sowie Prednisolon ≤10 mg/d.

JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Baricitinib, Filgotinib und Upadacitinib)

Biologika: TNF-Blocker (Infliximab, Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab), Anakinra, Canakinumab, Tocilizumab, Sarilumab, Secukinumab, Ixekizumab, Ustekinumab, Guselkumab, Dupilumab, Mepolizumab und Belimumab.

III) Empfehlungen wie z.B. eine Auffrischimpfung nach 6 Monaten bei Lebensalter ≥70 Jahre oder Arbeit im medizinischen Bereich sollten unabhängig von der Therapie der ERE umgesetzt werden. Das gilt z.B. auch für alle Personen, die Kontakt zu Patient*innen mit ERE haben.

IV) Die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV2 kann mangels ausreichender klinischer Daten weiter nicht generell zur Beurteilung der Impfantwort empfohlen werden (s.u.  serologische Kontrolle des Impferfolges).

In einigen Ausnahmefällen, kann eine Bestimmung der Antikörper 4 Wochen nach der erstem Impfserie hingegen sinnvoll sein.

Hat die Impfung während eines Rheumaschubes oder während einer schweren, fieberhaften Erkrankung stattgefunden, könnte ausnahmsweise ein Test auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 eine gewisse Information über die erreichte Impfantwort geben und als Entscheidungshilfe bezüglich einer vorzeitigen Auffrischimpfung bereits 4 Wochen nach der erstem Impfserie dienen. Bei Personen, die zum Zeitpunkt der Impfung leichtes Fieber hatten, ist eine Abschwächung der Impfreaktion nicht zu befürchten, und besteht keine Notwendigkeit einer vorzeitigen Auffrischimpfung.

Auch bei Impfung unter den o.a. besonders starken immunsuppressiven Therapien könnte ebenfalls ein Test auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 einen Hinweis zur erfolgten Impfantwort geben, um über eine Auffrischung bereits nach 4 Wochen zu entscheiden (Ausnahme Rituximab s.o.)

Unter diesen starken immunsuppressiven Therapien erscheint auch nach der Impfung weiterhin die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln besonders wichtig. Auch ist auf eine umfassende Impfung aller Kontaktpersonen hinzuwirken.

Impferfolg unter immunsuppressiver Medikation

Die DGRh betont, dass das Vorliegen einer ERE (auch in Anbetracht der üblicherweise eingesetzten immunsuppressiven Medikamente) in der Regel alleine nicht zu einem verminderten Impfansprechen führt. Das Immunsystem ist hierdurch nicht in dem Maße beeinträchtigt wie das von Höchstbetagten oder Patient*innen nach Organtransplantation oder unter einer Chemotherapie.

Nur bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden und idiopathisch-inflammatorischen Myositiden (Dermatomyositis, Polymyositis) gibt es Hinweise auf eine mögliche Einschränkung der Impfantwort. Ansonsten hat sich gezeigt, dass Patient*innen mit ERE eine  in Quantität und Qualität mit der von gesunden Personen vergleichbare Impfantwort entwickeln. Es gibt keine Daten, dass Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch die Impfungen nicht in dem Maße geschützt wären wie gesunde Personen oder dass der Impfschutz bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kürzer sei.

Das Impfansprechen kann jedoch durch eine schlecht kontrollierte Rheumaerkrankung oder eine starke immunsuppressive Therapie (s.u.) vermindert sein. Daher sind eine gute Krankheitskontrolle der ERE und somit eine Fortsetzung der Rheumatherapie von großer Wichtigkeit, zumal eine schlecht kontrollierte ERE einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 darstellt.

Es gibt keine generellen Empfehlungen, die medikamentöse Basistherapie wegen der Impfung zu pausieren.

Eine Besonderheit stellen Therapien mit Rituximab, Cyclophosphamid oder hoch dosiertem Prednisolon > 20 mg/Tag dar. In diesen Fällen sollten Sie den geeigneten Zeitpunkt für eine Impfung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen (Ausnahme Rituximab s.o.).

In zwei Studien aus Erlangen und New York zeigten sich unter Therapie mit Methotrexat / MTX verringerte Anti-SARS-CoV-2-Antikörper nach Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Es wurde aber nicht untersucht, ob diese Patient*innen häufiger und schwerer an Covid-19 erkrankten. Ebenso wenig ist untersucht, wie sich ein Pausieren von MTX oder eine Änderung der MTX-Dosis auf den Impferfolg auswirken.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) empfiehlt aufgrund der nicht eindeutigen Datenlage kein obligates Pausieren von MTX aufgrund der SARS-CoV-2-Impfung. Im Falle einer stabilen Remission der Grunderkrankung kann nach Rücksprache mit dem oder der Rheumatolog*in das ein- oder zweimalige Pausieren der wöchentlichen MTX-Gabe erwogen werden. Dringend rät die DGRh von einer längeren Therapiepause ab.

Auch ein Pausieren von

JAK-Inhibitoren (Präparate Xeljanz, Olumiant, Rinvoq und Jyseleca) 1-2 Tage vor und 1 Woche nach jeder Impfung

Mycophenolat je 1 Woche vor und nach jeder Impfung

Abatacept (Orencia) je 1 Woche vor und nach jeder Impfung (bzw. bei Abatacept-Infusionen im Intervall zwischen den Infusionen, wenn möglich 4 Wochen nach einer Infusion mit Verzögerung der nächsten Infusion um 1 Woche)

kann bei stabiler Remission der rheumatischen Erkrankung erwogen werden, ist aber nicht zwingend notwendig. Eine gute Krankheitskontrolle ist gegenüber einer möglicherweise abgeschwächten Immunantwort auch im Kontext von Impfungen vorrangig.
Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Paracetmol sollten 6-24 Stunden vor der Impfung und 6 Stunden nach der Impfung vermieden werden.

Serologische Kontrolle des Impferfolges

Bitte beachten Sie, dass eine solche mittels einer Antikörper-Bestimmung im Blut nicht sicher möglich ist.

Die wichtigsten Träger der gezielten Immunabwehr sind die Lymphozyten – eine Untergruppe der weißen Blutzellen (Leukozyten). Die B-Lymphozyten produzieren Abwehrstoffe, die sogenannten Antikörper. Diese richten sich jeweils spezifisch gegen ein als körperfremd erkanntes Antigen. Die T-Lymphozyten erkennen Antigene, also körperfremde Strukturen, auf der Oberflächen von körpereigenen Zellen. Sie sorgen dann dafür, dass die entsprechenden kranken oder veränderten Zellen entfernt werden.
Während man Antikörper-Spiegel im Blut messen kann, um die B-Zell-Antwort auf eine Impfung zu überprüfen, kann man die T-Zell-Antwort nicht einfach mit einem Labortesten ermitteln. Bezüglich der SARS-CoV-2-Impfung weisen außerdem nicht alle verfügbaren Bluttests Antikörper gegen das Virusprotein nach, dessen Bildung durch die Impfstoffe ausgelöst wird. Es kann also ein Impfschutz auch bei negativem Coronavirus-Antikörper-Test durchaus bestehen.
So konnte in einer Studie aus Wien bei 58% der Patient*innen unter einer sogenannten B-Zell-depletierenden Therapie mit Rituximab eine gute T-Zell-Antwort gegen SARS-Cov2 gemessen werden. Also auch bei einem Großteil der Patient*innen ohne B-Zellen und ohne messbare Antikörper im Blut wurde durch die Impfung eine Schutzwirkung erzielt. Hierbei ist Rituximab ein sehr starkes Medikament, dass viel stärker ein Impfansprechen vermindert als Basistherapeutika wie MTX und die meisten Biologika. Bei diesen Medikamenten ist mit einer noch besseren T-Zell-Antwort zu rechnen.

Auch die STIKO hält in einer Empfehlung vom 24.09.2021 eine generelle Überprüfung der Antikörperantwort bei allen Patient*innen mit Immundefizienz nicht für notwendig.

Kombination der COVID19-Impfung mit der Grippeimpfung?

Mittlerweile liegen umfangreiche Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit der in Deutschland zugelassenen COVID-19-Impfstoffe vor, so dass zwischen der Applikation von COVID-19-Impfstoffen und anderen Totimpfstoffen wie der Impfung gegen Grippe (Influenza) oder Lungenentzündung (Pneumokokken) kein Mindestabstand mehr eingehalten werden muss (siehe die Pressemitteilung der Stiko vom 24.09.2021 bezüglich Koadministration). Wenn die Gabe von verschiedenen Totimpfstoffen indiziert ist, können diese zeitgleich (an unterschiedlichen Extremitäten) gegeben werden.

Können Personen, die vollständig geimpft sind, das Virus weiter übertragen?

Die vorhandenen Daten belegen, dass die in Deutschland zur Anwendung kommenden COVID-19-Impfstoffe SARS-CoV-2-Infektionen in einem erheblichen Maße verhindern. Darüber hinaus ist die Virusausscheidung bei Personen, die trotz Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion haben, kürzer als bei ungeimpften Personen mit SARS-CoV-2-Infektion. In welchem Maß die Impfung die Übertragung des Virus reduziert, kann derzeit nicht genau quantifiziert werden. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden können und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden. Dabei können diese Menschen entweder zumeist milde Symptome einer Erkrankung, aber auch überhaupt keine Symptome entwickeln. Da der Impfschutz über die Zeit nachlässt, nimmt die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung PCR-positiv und infektiös zu werden, im Laufe der Zeit nach der Impfung zu. Daher empfiehlt die STIKO auch nach Impfung die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen (Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten, Lüften) weiterhin einzuhalten.

Welche medizinischen Gründe (Kontraindikationen) sprechen gegen die Impfung?

Es gibt nur sehr wenige Kontraindikationen, warum eine Person sich dauerhaft oder vorübergehend nicht gegen COVID-19 impfen lassen kann.

Zu den Gründen zählen u.a. NICHT rheumatologische Erkrankungen, Krebserkrankungen, neurologische Erkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose, Allergien (die nicht spezifisch gegen Bestandteile der Impfung bestehen, Behandlung mit Kortison oder die Einnahme von Gerinnungsmedikamenten. Auch in diesen Fällen ist eine COVID-19-Impfung MÖGLICH!

Nach Einschätzung des RKI können nur sehr wenige Personen (Einzelfälle) aufgrund von Allergien gegen Bestandteile der COVID-19-Impfstoffe nicht geimpft werden, siehe beim RKI zu genau diesem Punkt oder allgemeiner beim RKI Antworten auf häufig gestellte Fragen bezüglich Sicherheit der Impfstoffe. In der Regel können Personen, die mit einem der Impfstofftypen (mRNA versus Vektor-basiert) nicht impfbar sind, mit dem jeweils anderen geimpft werden.


Wichtige Telefonnummern

  • 116117: Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung. Patienten können sich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche an diese Telefonnummer wenden. Es erfolgt eine Beratung sowie eine weitere Vermittlung bei bestehendem Infektionsverdacht.
  • 040 428284000: eine extra eingerichtete Corona-Hotline der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV)

 

Hilfreiche Informationen finden Sie unter anderem unter den folgenden Links

 

Ihr Praxisteam